Theorie des Lernens 7:

4 Säulen des Lernens von Dehaene - Aktives Beschäftigen (Active Engagement)

A. Ein passiver Organismus lernt wenig

"Efficient learning means refusing passivity, engaging, exploring, and actively generating hypotheses and testing them on the outside world.“ (Dehaene, 2020)

Die zweite Säule des Lernens, das aktive Beschäftigen, unterstreicht die Wichtigkeit des aktiv Eingebundenseins, um ein nachhaltiges Lernergebnis zu erzielen. Wie in den letzten Beiträgen bereits angesprochen, formt das Gehirn beim Lernen zuerst ein hypothetisches mentales Modell der Außenwelt, das dann wiederum auf die Umwelt projiziert wird. Die Vorhersage wird anschließend mit den Informationen verglichen, die über die verschiedenen Sinne im Gehirn ankommen. Eine aufmerksame Haltung ist die Grundvoraussetzung für diesen Algorithmus. Außerdem ist Motivation essenziell: Man lernt nur, wenn es ein klares Ziel und Commitment zur Erreichung dessen gibt. Das aktiv sein bezieht sich nicht auf eine körperliche Aktivität, also das Lernen einer mathematischen Formel wird nicht zwangsläufig leichter durch die gleichzeitige Bewegung auf einem Heimtrainer. Es geht vielmehr um das aktive Verfolgen des jeweiligen Inputs, statt eines passiven Berieseln-Lassens. Auch hinsichtlich der Therapie lohnen sich deswegen aktive gegenüber passiven Therapieansätzen (siehe etwa: Lederman, 2015).

A.1 Tiefere Verarbeitung = Besseres Lernen?

In einem klassischen Experiment aus der kognitiven Psychologie von Craik and Tulving (1975) erhielten drei verschiedene Gruppen unterschiedliche Aufgaben zu einer Liste von Wörtern. Die Aufgabe der ersten Gruppe bestand darin zu bestimmen, ob die vorliegenden Wörter in Groß- oder Kleinbuchstaben geschrieben wurden, die zweite Gruppe sollte beurteilen, ob sich die Wörter auf “Stuhl” reimten und die dritte Gruppe wurde aufgefordert zu prüfen, ob es sich bei den Wörtern um Tiernamen handelt oder nicht. Danach wurden die Teilnehmer einem Gedächtnistest unterzogen, wobei sich ergab, dass sich die dritte Gruppe am besten an die Wörter erinnerte (an 75% der Wörter). Im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen (1.:33% und 2.:52%), die sich lediglich oberflächlich auf Buchstabenlevel mit den sensorischen Aspekten der Wörter beschäftigten, verarbeitete die letzte Gruppe die Wörter tiefgründiger auf einem semantischen Level. Schwierigere Lernbedingungen, die eine höhere kognitive Anstrengung bedeuten, können oftmals zu einer verbesserten Retention führen. Das kann mittlerweile auch Bildgebung zeigen.

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